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Müssten kirchliche Feiertage abgeschafft werden?

In den Monaten Dezember und Januar durften wir ausser den Wochenenden viele Feiertage mehr geniessen. Für uns Christen sind es Festtage, die uns auf die Geburt Jesus vorbereiten und uns jedes Jahr wieder das Wunder der Weihnachtsgeschichte näherbringen. Ist es wirklich für uns alle noch so?

Früher hat das kirchliche Leben die Gemeinschaft geprägt. Man war wenig mobil, schon gar nicht weltweit vernetzt. An Festtagen versammelte sich meist das ganze Dorf in der Kirche, um miteinander Gottesdienst zu feiern.

Wie ist es heute? Als wir nach den Festtagen in die Heimat meines Mannes, verreisten, haben wir vernommen, dass dieses Jahr während der Feiertage eine Rekordzahl an Touristen bei den Bergbahnen Fiesch/Fiescheralp zu verzeichnen war. Grund dafür war das schöne Wetter, Schnee und die günstig gelegenen Feiertage. Scharenweise verreisten die Leute schon vor Weihnachten in die Berge oder in den Süden. Die wirtschaftliche und technische Entwicklung ermöglicht den Menschen diese Freiheit an Mobilität. Geht dabei unser christlicher Grundgedanke verloren?

Anfang Dezember schrieb der Theologe Josef Hochstrasser in der Sonntagszeitung einen Artikel mit der Überschrift: «Die kirchlichen Feiertage müssen abgeschafft werden.» Die Überschrift allein löste bei mir Empörung aus. Im Artikel selbst weist Hochstrasser auf die religiöse Entwicklung unseres Landes hin. Zwar ist das Christentum zahlenmässig immer noch die grösste Religionsgemeinschaft, jedoch haben andere Religionen, voran der Islam und säkuläre Weltanschauungen schon längst einen grossen Platz eingenommen. Die Kirchenaustritte haben in den letzten Jahren stark zugenommen. Unsere christliche Kirche hat an Kraft verloren. Die Einladung der Kirchen, in Gedenken an Jesus Christus miteinander zu feiern, wird nicht mehr angenommen. Deshalb schreibt Hochstrasser: «Es kann nicht angehen, dass Leute weiterhin christliche Feiertage für irgendwelche Freizeitbeschäftigungen missbrauchen.» Stellt sich da auch nicht die Frage: Wieso kann die Kirche nicht mehr für die Sache Jesus begeistern? Haben wir als Kirche den Puls der Zeit verloren? Warum schöpfen so viele Menschen keine Kraft mehr aus dem christlichen Glauben?

Auf diese Fragen muss die Kirche Antworten finden.

Auf einem alten Kalenderblatt habe ich einmal gelesen: «In dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst.» In der Emmausgeschichte (Lk 24,32) sagten die Jünger zueinander: «Brannte nicht unser Herz in uns, als er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schriften eröffnete?»

Liebe Mitchristinnen und Mitchristen, dieses innere Brennen, dieses Feuer, diese Begeisterung für den menschgewordenen Gott, Jesus Christus wünsche ich uns allen, damit wir die Frohbotschaft Christi an andere weitergeben können.

In tiefer Verbundenheit Anita Imwinkelried

 

 

 

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