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Abschied und Neubeginn

Wie jede Blüte welkt und jede Jugend

 

Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,

Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend

Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.

Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe

Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,

Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern

In andre, neue Bindungen zu geben.

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,

Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,

An keinem wie an einer Heimat hängen,

Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,

Er will uns Stuf‘ um Stufe heben, weiten.

Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise

und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,

Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,

Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

Dieser Auszug aus dem Gedicht «Stufen» stammt vom Schriftsteller Hermann Hesse aus dem Jahr 1941. Trotz des furchtbaren Krieges und seiner gerade überstandenen langen Krankheit schrieb er ein Gedicht mit viel Lebensoptimismus. Er beschreibt darin das Leben des Menschen als einen Prozess von Stufen. Jeder von uns muss stets aufs Neue bereit sein, eine Stufe hinter sich zu lassen, um zu einer anderen Stufe zu gelangen.

Im zweiten Teil der ersten Strophe thematisiert er das Bereitsein für das Abschied nehmen und das Bereitsein für einen Neubeginn. Ich denke, es weiss jeder von uns aus eigener Erfahrung, dass es nicht immer einfach ist, Abschied zu nehmen und einen Neubeginn zu wagen. Denn dies bedeutet in erster Linie Veränderung und Loslassen.

Liebe Pfarreibürgerinnen, liebe Pfarreibürger, ich befinde mich gerade auf der Stufe des Abschieds und Neubeginns. Ende Jahr werde ich die Pfarrei in meiner Funktion als Pfarreibeauftragte verlassen und vorzeitig in den Ruhestand treten. Dieser Entscheid fiel mir nicht leicht, denn ich habe mich all die Jahre von Ihnen allen getragen und unterstützt gefühlt. Wir durften gemeinsam ein Stück Glaubensweg gehen. Dies erfüllt mich mit grosser Dankbarkeit.

Ende Jahr heisst es, wie Hermann Hesse es ausdrückte, nicht trauen und hängen bleiben, sondern heiter Raum um Raum zu durchschreiten, dem Neuen positiv gegenüberzustehen. Ich bin neugierig und freue mich, was die nächste Stufe Spannendes bringen wird.

«jedem Anfang wohnt ein Zauber inne»

Mit dem grossen Vertrauen auf Gott, der uns begleitet und führt, blicken wir positiv in die Zukunft.

Ich werde mich zu einem späteren Zeitpunkt noch gerne persönlich von Ihnen verabschieden. Bis dahin freue ich mich auf weitere schöne Momente, Begegnungen und auf eine gute Zusammenarbeit.

In Verbundenheit Anita Imwinkelried

 

 

 

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