031 747 72 26 (bei Todesfällen 079 461 54 91) pfarramt@pfarrei-boesingen.ch

Kelten, Römer, Romanen

Die Terrasse hoch über dem Zusammenfluss von Saane und Sense hat die Menschen früh zum Siedeln gereizt, erstmals vor über 8000 Jahren. Seit mindestens 3200 Jahren ist Bösingen kontinuierlich besiedelt. In römischer Zeit war Bösingen einer der größten Orte im schweizerischen Mittelland an der Straße, die die damalige helvetische Hauptstadt Avenches mit der Rheinregion verband. Die villa rustica, die in Bösingen in unmittelbarer Nähe zur Kirche ausgegraben wurde verfügte über Räume mit Bodenheizung, über Latrinen mit Wasserspülung, über einen mit einzigartigen Fresken geschmückten Gang (1) und über eine wunderbare, zum Jurapanorama hin angelegte Gartenterrasse. Ein berührendes Zeugnis jener Zeit ist ein aus Ziegeln gebautes Kindergrab (2), das in der Villa gefunden wurde. Man wollte das viel zu früh verstorbene Leben nahe bei sich haben.
Mehr über Bösingen in römischer Zeit>
Mehr über die einzigartigen Fresken des Kryptoportikus>

Bei der Einrichtung der Friedhofsanlage wurde ein ausgedehntes, frühmittelalterliches Gräberfeld entdeckt (3). Besonders aus den Frauengräbern wurden wunderschöne Gürtelschnallen (4-5) geborgen, die zur Tracht gehörte, in der die Toten bestattet worden sind. Bei den hier bestatteten Menschen handelte es sich um romanisierte Kelten, sogenannte Romanen. Die alemannische Besiedlung erfolgte später.
Mehr zum frühmittelalterlichen Gräberfeld>

Die Kirchen von Bösingen

Bösingen, das in der ersten schriftlichen Erwähnung von 1228 im Verzeichnis der Pfarreien des Bistums Genf, Lausanne, Freiburg noch in der Form «Basens» erscheint, war mit Sicherheit einer der ersten christlichen Orte unserer Gegend. Wann das erste Gotteshaus erbaut wurde wissen wir nicht. Sicher ist, dass vor dem Tode König Rudolfs von Burgund im Jahre 935 von ihm und der Königin Bertha, am Platz wo heute die Käserei steht, die St. Syruskirche erbaut wurde. Als Wallfahrtskirche wurde sie weit herum bekannt und viel besucht. Es ist  jammerschade, dass sie im Jahre 1890 abgerissen wurde. Eine Gedenktafel mit dem ehemaligen Turmkreuz an der Ostfront der Käserei erinnert an sie (1). Die alte Syrusglocke dient heute im Glockenstuhl der Pfarrkirche als Wetterglocke (2). In der Friedhofkapelle sind noch eine Tonfigur des heiligen Syrus (3) und die Pietà aus der Syroskirche (4) zu sehen.

Im Jahre 1226 bekamen die Deutschherren in Köniz — ehemalige Kreuzritter —  ein Ordenshaus und Kaiser Friedrich II. beschenkte es mit Gütern und Einkünften aus Zehntenrechten, so auch aus Bösingen. Dafür musste der Ritterorden in diesen Orten die Seelsorge übernehmen. Um 1250 herum errichteten sie in Bösingen zu Ehren des hl. Apostels Jakob des Älteren, die Pfarrkirche. Leider existieren keine Aufzeichnungen und Beschreibungen dieser Kirche. Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Kirche baufällig und durch eine neue Pfarrkirche am gleichen Ort ersetzt. Nur der um 1500 mit Tuffquadern erbaute Turmstumpf (5) erinnert noch an die ehemalige Kirche.

Die heutige Pfarrkirche wurde in den Jahren 1788 bis 1791 erbaut und am 24. September 1791 vom damaligen Bischof von Lausanne, Emanuel von Lenzburg zu Ehren des Heiligen Jakobus geweiht. In den Jahren 1906/07 wurde die St. Jakobskirche vergrößert und man fügte dem Schiff ein Kreuzfirst an. Eine weitere Restaurierung erfolgte in den Jahren 1956/57. Bei dieser Gelegenheit wurde unsere Kirche von der eidgenössischen Denkmalpflege in das Inventar der geschützten Gebäude von nationaler Bedeutung aufgenommen. Eine notwendige Außenrenovation mit der Erneuerung des Daches konnte 1988 abgeschlossen werden (6). Nach einigen Jahren der Planung haben die Verantwortlichen der Pfarrei am 15. Juni 1992 begonnen, die historisch und kulturell bedeutungsvolle St. Jakobskirche einer umfassenden Innenrenovation zu unterziehen. Unter der Aufsicht der eidgenössischen und kantonalen Denkmalpflege haben sie versucht, dieses wertvolle Bauwerk im Sinne der Erbauer zu erhalten und den Nachkommen weiterzugeben. Mit dieser Restaurierung erhielt unsere Kirche wieder den Glanz früherer Zeiten (7).

 

Die größte Glocke des Sensebezirks

Im offenen Glockenstuhl hängt die größte Glocke des Sensebezirks. Sie stammt aus dem Jahr 1818. Wie Bösingen zur größten Glocke im Bezirk kam, hat Moritz Schwaller, von 1931 bis 1984 Pfarrer und später Pfarrhelfer in Bösingen, aufgrund einer mündlich überlieferten Geschichte festgehalten.

Die Mooser-Orgel

Die Orgel ist ein Werk von Moritz Mooser aus dem Jahre 1844, dem Sohne des Erbauers der berühmten Freiburger Kathedralorgel. Leider wurde die Orgel 1908 bei einer Restauration durch die Firma Goll stark umgebaut und verändert. Dadurch verlor die Orgel ihren ursprünglichen Charakter und den charaktervollen Klang. 1971 erhielt sie im Rahmen einer neuerlichen Restaurantion wieder ihre ursprüngliche Form zurück. Im Sommer 2016 wurde die Orgel vollständig revidiert.

Mehr dazu in einem Artikel von Jakob Kobelt, Freiburger Nachrichten 1971

X